Dienstag, 16. Oktober 2007
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| Busfahrt von Niagara Falls nach Toronto |
Da wir ja tags zuvor so spät erst in Niagara Falls angekommen waren und somit von den Niagara Fällen kaum etwas gesehen hatten, beschlossen Sebastian und ich erst nachmittags nach Toronto zu fahren und den Vormittag noch an den Fällen zu verbringen. So hieß es 9.30 Uhr aufstehen, die Sachen wieder einzupacken und diese auch an der Rezeption unseres Motels, dem Red Carpet Inn & Suites, zu verstauen.
Bei einem doch recht sonnigen Himmel machten wir uns auf zu den Fällen. Durch Clifton Hill – die schillernde Straße mit Riesenrad, Wachsfigurenkabinett, Ripley's Museum, Fast-Food-Ketten und all den anderen Attraktionen; Frankensteins Haus ist übrigens auch hier – kamen wir wieder zur Rainbow Bridge. Als erstes wollten wir auf die amerikanische Seite und von dort aus die stürzenden Wassermassen bewundern. Die Ausreise aus Kanada interessierte niemanden, doch "durften" wir 50 Cent Brückenzoll berappen – wir konnten es gerade so noch verschmerzen. Auch die Wiedereinreise in die USA klappte dank des grünen Zettels im Reisepass problemlos. Vom Prospect Point warfen wir den ersten näheren Blick auf die American Falls75. Hier wirkte es schon um einige Nummern größer, als wir es im Dunkeln gesehen hatten – und dies waren ja noch die kleineren Wasserfälle! Vom aufgewirbelten Wasser stieg eine Wasserdampffahne in die Luft.
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Weiter gings nach Goat Island, die Insel zwischen den American Falls und den kanadischen Horseshoe Falls. Hier am Cave of the Winds konnte man hautnah an die Wasserkante und den Naturgewalten zusehen. Langsam verschwand auch die Sonne hinter einer Wolkendecke als wir am Terrapin Point auf die kanadischen Fälle blickten. Unten auf dem Niagara River (sein Wasser ist gar nicht so kalt wie angenommen) saßen die Leute in Regencapes auf den "Maid of the Mist" genannten Booten, die direkt unter die hufeisenförmigen Fälle fuhren. Bei den Wassertröpfchen in der Luft mussten die richtig nass geworden sein! Doch leider sahen wir, eben wegen diesem Wasserdampf nicht wirklich viel von den eigentlich beeindruckenderen Horseshoe Falls76.
Zurück in Kanada (man merkt schon, dass hier alles sauberer und gepflegter ist als in den USA) wurden wir von der Nationalhymne begrüßt, die aus einem Lautsprecher erschallte. Nun auf zum kanadischen Aussichtspunkt am Table Rock. Und hier wurden wir das erste Mal in unserem Amerika-Trip von oben nass: doch nicht von Regen, obwohl es so erschien, sondern von dem vom Wind herangewehten Wasser der Fälle. Ist ja nur Wasser! Der Lärm des herabstürzenden Wassers war wieder allgegenwärtig.
Nun war es mittlerweile schon 14 Uhr geworden, als wir unsere Sachen vom Motel abholten und zu einer Bushaltestelle buckelten. Um die 40 kg mussten es wohl sein, da ist jeder Schritt gleich doppelt schwer. Wenig später kam auch ein Bus, dessen Fahrerin wir mit 2,25 kanadischen Dollar entlohnten um uns zum Busbahnhof zu bringen. Dort schnell noch die Fahrkarte gekauft und dann ab raus zum Bus, denn dieser fuhr ein paar Minuten später. Schwein gehabt, dass alles so gut passte.
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Auf der 90-minütigen Fahrt auf dem QEW Highway77 in der Nähe des Ufers des Lake Ontario78 konnte man wieder etwas ausruhen. Von den Randbezirken Torontos79 sah man schon die Skyline der Innenstadt mit dem 553 m hohen CN Tower (höchster freistehender Turm der Welt). Da müssen wir hoch! Als wir dann gegen 16.30 Uhr den Bus verließen, erwartete uns schon wieder dieses schwere Gepäck. Das Navi sagte zum Glück nur einen guten Kilometer Laufen voraus. Durch die Dundas Street kamen wir zu unserer gebuchten Unterkunft. Doch dorf öffnete niemand. Keiner da, auch die Nachbarn konnten nicht helfen. Glücklicherwiese konnte uns ein Taxifahrer weiterhelfen, der netterweise in der Unterkunft anrief und jemanden bestellte, der uns abholen sollte. Abholen? Wir waren doch eigentlich schon da. Gut, warteten wir an der vereinbarten Straßenecke. In der Gegend liefen viele einfach gestickte Gestalten herum und so ganz gefiel uns das nicht. Nach einiger Zeit holte uns ein Herr ab, entschuldigte sich für das Missverständnis und brachte uns zu einer besseren Bleibe. Und von innen sah diese wirklich auch gut aus!
Nachdem wir frisches Geld geholt, die Unterkuft bezahlt und noch das Wichtigste eingekauft hatten, zogen wir noch etwas in das nächtliche Toronto. Das Szeneviertel Bloor-Yorkville war das Ziel. Nette zweistöckige Häuser mit Boutiquen, Bars, Clubs, Restaurants und Wohnungen standen dort. Diese kleine Runde sollte für heute genügen, so machten wir uns auf den Rückweg. Sebastian wollte noch etwas kochen in unserem "All Days Guest House #3" im Stadtteil St. Jamestown. Wir hatten ja Würstchen, Bohnen in Tomatensoße und Reis eingekauft. War sehr schmackhaft das Essen und so konnten wir zufrieden den Tag beenden.
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75 Auf einer Breite von 260 m stürzt 10% des Wassers des Niagrara Rivers 57 m (incl. Geröllhalde) in die Tiefe
76 90% der Wassermassen des Niagara Rivers stürzen die 53 m hohen und knapp 700 m breiten kanadischen Fälle (mit 32 km/h) nach unten; die Wassertiefe am Fuß ist 56 m
77 Queen Elizabeth Way – die Queen ist ja offizielles Staatsoberhaupt von Kanada
78 Der Lake Ontario ist 18.960 km² groß und hat eine maximale Wassertiefe von 244 m; er ist 311 km lang und 85 km breit, seine Küstenlinie ist 1.146 km
79 Toronto in der Provinz Ontario hat 2,5 Mio. (Region 5,1 Mio.) Einwohner und ist die größte Stadt Kanadas