Donnerstag, 18. Oktober 2007
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| Stadtbesichtigung Toronto: Black Creek Pioneer Village |
Heimreisetag. Doch während Sebastian noch etwas an der Matratze horchen wollten und den Vormittag chillig angehen wollte, entschied ich mich natürlich für ein weiteres Besichtigungsprogramm. Die erste Postfiliale in Toronto überhaupt war das erste Ziel und so verließ ich kurz vor 9 Uhr unsere Unterkunft und wollte mit dem 75er Bus die Sherbourne Street nach Süden zum First Post Office fahren. Doch dies war wieder zu schön gedacht, denn der Bus kam mal wieder nicht und die anderen Fahrgäste standen schon Schlange an der Haltestelle. Schließlich – nach einer halben Ewigkeit – kam dann doch noch der Bus, allerdings fuhr er (wegen Überfüllung) an meiner Haltestelle vorbei und ich konnte erst in den Nächsten einsteigen. Nach einem kleinen Fußmarsch kam ich an der Post81 an, die zu Beginn der viktorianischen Ära vom britischen Unterhaus als kolonialer Postdienst 1829 gegründet wurde. Im Backsteingebäude konnte man drinnen noch Briefe mit Feder und Tinte schreiben, die dann mit Wachs von Beamten in alten Uniformen versiegelt werden sollten. Doch mit Versiegeln und historischer Kleidung war hier nichts zu sehen.
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Vorbei an der St. James Cathedral (1803-09) lief ich wieder ins Zentrum um zur Metro zu gelangen, die mich weit in den Norden Torontos bringen sollte. Denn dort steht ein Dorf namens Black Creek Pioneer Village82. Nach rund einer Stunde Fahrtzei mit Metro und Bus kam ich dort an. Mich erwartete ein (Museums)-Dorf aus der Mitte des 19. Jahrhunderts mit 42 Originalgebäuden, die aus allen Teilen Ontarios dort hin transportiert wurden. Und für schlappe 12 kanadische Dollar Eintritt wollte ich das natürlich sehen. Gleich am Eingang steht Tinsmith's Shop, der Büchsenmacher. In einer historischen Werkstatt fertigt dort ein alter Mann die verschiedensten Gegenstände aus Blech wie Deckenleuchter, Laternen, Spielzeug, Kannen und noch viel mehr. Eine ganze Weile schaute ich ihm bei der Herstellung einer Laterne über die Schulter und es ist wirklich erstaunlich, mit welch einfachen Mitteln und Methoden man ansprechende Sachen zaubern kann! Als Souvenier bekam ich eine von ihm gefertigte "Pusteblume" geschenkt. Vorbei an der Mühle, Feuerwehr und Sattlerei kam ich zu Strong's Farm. Diese Gebäude stehen wirklich an historischer Stelle vor Ort. Im Inneren spann eine Frau in historischer Kleidung Wolle auf dem Spinnrad, neben ihr prasselte das Feuer im Kamin. Im ganzen Dorf kann man ja in die Gebäude herein gehen und überall gehen die Menschen in historischen Gewändern ihrem Tagwerk nach – ganz wie 1860! Auch Tiere liefen überall herum und man fühlte sich wirklich 150 Jahre zurückversetzt, wenn da nicht überall die vielen lärmenden Kinder wären, die auf einem Schulausflug hier waren. Doch in der historischen Schule waren sie ganz brav und warten – Jungen und Mädchen getrennt – in alten Gewändern auf ihre Lehrerin. Im Cabinet Maker's Shop traf ich den Herrn wieder, der vorhin beim Büchsenmacher eine Teekanne bestellt hatte. Seine Arbeit bestand in der Herstellung von Einrichtungsgegenständen aller Art, wie er mir in einem Schwätzchen erklärte. Gleich gegenüber lag die Druckerei des Orts. Neben der wöchentlichen Zeitung (der Drucker braucht wirklich fast eine ganze Woche um die Lettern zu setzten) und den berühmten Fahndungssteckbriefen wurden hier auch Grußkarten und Einladungen gedruckt. Doch nun war meine Zeit hier fast abglaufen, nach einem kurzen Abstecher zum Dorfarzt und zur Town Hall musste ich mich auf den Heimweg per Bus und Bahn machen – der Flieger wartet ja sicherlich nicht auf mich.
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Zurück in unserer Unterkunft wartete Sebastian bereits auf mich und wir machten uns gegen 15.20 Uhr auf zum Flughafen. Passend zum Abschied fing es an der Metroendstation an zu regnen – während unserer ganzen Reise hatten wir (fast) keinen Regen gehabt! Rückblickend war es in Toronto und in Kanada allgemein sehr sauber und gepflegt, ganz im Gegensatz zu vielen Gebieten in den USA. Auch die Leute waren sehr freundlich. Dies bestätigte sich wieder am Pearson Airport83 beim Check-in. So freundlich bin ich bisher noch nie behandelt worden. "You are very welcome!" meine die Dame am Schalter. Generell war auch der Aurfenthalt auf dem Flughafen sehr entspannt. Nirgendwo mussten wir wirklich anstehen, keine weiten Wege waren zu laufen auf dem in den Top30 der weltweit größten Flughäfen liegenden Airport. Da unser Flieger, eine Boeing 767, schon am Gate bereit stand, konnten wir schon etwas eher einsteigen und sogar uns 10 Minuten früher auf den Weg zur Startbahn machen. Doch letztendlich warteten wir dort die Zeit bis zum pünktlichen Start wieder ab.
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18.25 Uhr EST hoben wir dann in Richtung Good Old Europe ab. Leider verpassten wir aber den Sonnenuntergang über den Wolken knapp. Unsere Maschine war dieses Mal nicht ganz gefüllt. Wir hatten die letzte Reihe gebucht, mit Fensterplatz natürlich. So kamen wir beim Abendessen auch ziemlich gleich am Anfang mit dran. Rund sieben Stunden Flugzeit lagen vor uns, doch wir hatten auch ein reichhaltiges Unterhaltungsprogramm zur Auswahl. Erst kam der Rest von Mr. Bean, was ich im Hinflug nicht mehr geschafft hatte vollständig anzuschauen, dann Fluch der Karibik 3 und schließlich noch die Komödie Evan allmächtig. Als eher unangenehme Abwechselung zwischendurch war auch noch die Geschichte mit Sebastians Brille. Er hatte sie mit einem Bügel am Sitz befestigt, doch ein anderer unachtsamer Passagier schaffte es irgendwie dagegenzudrücken und schwupps brach das gute Stück entzwei und landete auf dem Fußboden. Doch wo war der eine Bügel? Weg! Mit der Hilfe eines Stewards suchten wir dann überall und nahmen sogar Sebastians Sitz auseinander (sehr interessant, wie so ein Ding aufgebaut ist) – doch wo war das blöde Ding? Lag einfach so auf dem Gang rum, ganz in der Nähe, sowas. Unsere Flugroute ging über Neufundland und den Atlantik bis Irland. Bei klarem Himmel sah man aus 11.500 m Höhe die leuchtenden Städte unter sich. Speziell Halifax oder St. John's in Neufundland sahen doch größer aus, als ich erwartet hatte.
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81 Diese Postfiliale ist die einzige überhaupt, die noch aus der Kolonialzeit stammt
82 Gebäude an diesem Standort wurden mit weiteren aus der Region ergänzt um ein Dorf aus der Mitte des 19. Jahrhunderts nachzubilden
83 Der Flughafen im Nordwesten Torontos fertigt im Jahr 31 Mio. Passagiere ab