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Tag 09:  Fahrt vom Grand Canyon zum Monument Valley

Sonnabend, 6. Oktober 2007

Fahrt vom Grand Canyon zum Monument Valley

Damit wir heute die anstehenden Naturschönheiten ausreichend bewundern können und auch unser Tagesziel schaffen, klingelte der Wecker bereits um 7.30 Uhr. Aber wie es halt so ist, ging die Zeit auch wieder viel zu schnell um, so dass wir unser Grand Canyon Inn in Valle erst gegen 9 Uhr verlassen konnten. Vom gegenüber liegenden Abenteuercamp für Kinder wünschte der am Straßenrand stehende überdimensionale Fred Feuerstein uns einen angenehmen und sonnigen Tag. Sehr sonnig war es ja, aber im Vergleich zum Vortag doch relativ kühl, so dass man selbst im Pullover fröstelte.

Nach nur einigen Meilen kamen wir dann an umserem ersten Teilziel an. Nur konnte man dummerweise mit dem Auto am Grand Canyon gar nicht so weit vor fahren, wie es die Karte zeigte. Also gings auf Schusters Rappen zum Kolb Studio, einem kleinen Museums- und Shopbau im Village direkt am Rand zum Abgrund des Grand Canyon41. Atemberaubend! Mehr fiel einem nicht ein bei dieser Aussicht. Was für eine Schlucht hatte der Colorado River da in Millonen von Jahren aus dem Fels gewaschen: 350 km lang, bis zu 29 km breit und 1.500 m tief, so lässt es sich in Zahlen ausdrücken, aber in Worte fassen ist fast unmöglich! Vor uns führte der Bright Angel Trail nach unten. Man konnte sich auch ein Maultier leihen für den Weg, doch unser Pfad – der Rim Trail – blieb oben am Abgrund. So liefen wir diesen Weg ein wenig am Grand Canyon Village entlang. Dort konnte man auch in einem in traditioneller Adobe-Bauweise42 errichteten Bau (Hopi House) indianische Kunstgegenstände und andere Souveniers erwerben. Ich leistete mir dort ein schmuckes T-Shirt.

Vom Grand Canyon Dorf fuhren wir auf dem Desert View Drive (auch AZ-Route 64) nach Osten immer parallel zum südlichen Canyonrand. An diversen Aussichtspunkten genossen wir das Panorama. An einem wollte ein großer schwarzer Rabe unbedingt Model spielen. Ich tat ihm diesen Gefallen. Die beste Aussicht hatte man vom Grandview Point, wo man nahezu einen 180°-Blick auf den Canyon hatte. Alles war so schön von der Sonne beschienen. Auch die Ruinen eines alten Dorfes der Pueblo Indianer, den Tusayan Ruins, besichtigten wir. Den letzten Blick auf den Canyon warfen wir am Desert View. Dort war auch ein steinerner Wachturm erbaut, den man auch besteigen konnte. Im seinem Inneren waren von Indianern Kunstwerke an die Wände gemalt.

Der AZ-64 weiter folgend gelangten wir nach einem Zwischenstopp an einem weiteren kleinen Canyon nach Cameron, wo wir eigentlich etwas essen wollten. Aber nix da! Auf der großen Amerika-Karte mit eingezeichnet entpuppte sich dieser Ort nur als Tankstelle mit ein paar Häusern drumrum. Da mussten wir eben weiterfahren und folgten dem Navajo Trail43 zuerst auf dem US-Highway 89 und dann weiter auf der US-160. Vor Tuba City sollten 65 Millionen Jahre alte Dinosaurierspuren sein. Und siehe da, einer der Indianer die dort ihre Souveniers verkauften führte uns über das Steinfeld und zeigte uns Abdrücke, Knochen und andere Hinterlassenschaften der Riesenechsen, auch versteinerte Fische waren dabei. Beim Draufklopfen klangen die vermeintlichen Knochen schon anders als das umliegende Gestein, aber man soll ja nicht alles immer gleich glauben. In Tuba City selbst standen zum Glück ein paar mehr Häuser als in Cameron und wir bekamen dort auch endlich was zu beißen.

Wenig später setzten wir unsere Fahrt auf der US-160 fort und kamen nach einer ganzen Weile zum Navajo National Monument. Die Zeit war auch schon etwas fortgeschritten (und wir wollten ja das Monument Valley noch bei Sonne sehen) und so mussten wir uns auf dem knapp 2 km langen Fußmarsch etwas beeilen. Am Aussichtspunkt angekommen bot sich uns in der gegenüberliegenden Felswand der Schucht das Bild der Ruinen des Pueblo Betatakin, einem Dorf, das in der geschwungenen Nische der Klippen des Tsegi Canyons errichtet wurde.

Von dort fuhren wir bis Kayenta und wechselten auf die US-163. Schon von weitem sah man die Tafelberge. Irgendwo dort musste das Monument Valley44 liegen, seine Berge kannte man ja von den Marlboro-Plakaten. Und wiedererwartend erreichten wir das Tal doch noch bei Sonnenschein. Die Berge erglühten im Schein der untergehenden Sonne. Was für ein Anblick! Im Monument Valley überquerten wir auch die Grenze zu unserem vierten Bundesstaat auf unserer Reise: Utah. Da hier ja im Gegensatz zu Arizona die Sommerzeit gilt, mussten hier die Uhren eine Stunde vorgestellt werden, und das, obwohl wir immer noch in der gleichen Zeitzone waren!

Eigentlich wollten wir im nahegelegenen Mexican Hat (hat seinen Namen übrigens nach einem auf einer Felsnadel liegenden Stein in Form eines mexikanischen Hutes) übernachten. Doch dieses Städtchen war wie Cameron nicht wirklich groß und hatte keine vernüftigen Motels anzubieten. Darum fuhren wir weiter bis Bluff, wo wir im Kokopelli Inn unsere Bleibe fanden. Es war nun auch schon kurz vor 20 Uhr MST45 und an diesem Abend passierte bis auf einen kleinen Abendbrotssnack nicht mehr viel.


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41  Nach der Hebung der Rocky Mountains vor rund 50 Mio Jahren begann sich der Colorado River sein Bett in das Colorado Plateau einzufräsen; das Ergebnis wollen heute bis zu 5 Mio. Touristen jährlich sehen
42  Die Häuser wurden aus sonnengetrockneten Ziegeln aus Lehm, Sand und Stoh erbaut
43  Diesen Weg mussten die Ureinwohner gehen, um in ihr Reservat umzusiedeln
44  Das Monument Valley ist eigentlich gar kein Tal: auf der Höhe der Felskuppen erstreckte sich einst eine Ebene, deren Risse erodierten, bis die heutigen Felsen übrig blieben
45  Mountain Standard Time (jetzt "normale" 8 h Zeitunterschied zu Deutschland)



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