Montag, 8. Oktober 2007
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| Fahrt durch die Rocky Mountains nach Denver |
Heute stand nicht ganz so viel auf dem Programm wie in den vergangenen Tagen. Drum konnten wir mit kurz nach 9 Uhr auch etwas später aufstehen als tags zuvor. Nachdem wir unsere Sachen gepackt hatten wollten wir eigentlich noch Frühstücken gehen, das war ja im Übernachtungspreis mit inclusive. Doch leider gab's das Frühstück nur bis 9.30 Uhr und es war schon kurz vor zehn. So musste doch das Backwerk aus dem Supermarkt mit einem Instant-Kakao aushelfen.
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Wenig später starten wir dann unsere letzte Fahrtetappe. Da unser Motel in Grand Junction direkt am Highway war, waren wir schnell auf der Straße und folgten der Interstate 70 nach Osten. Immer am Colorado River entlang schraubten wir uns langsam nach oben im Gebirge. Der Highway ging teilweise durch weite Täler, aber auch enge Schluchten. Nicht weit entfernt lag auch der bekannte Wintersportort Aspen49, den vornehmlich die Herrschaften mit dem etwas dickeren Geldbeutel bevorzugen. Je weiter wir in die Rocky Mountains kamen, umso mehr änderte sich die Vegetation von eher wüstenästenähnlich hin zu den auch in Europa heimischen Nadelwäldern. Obwohl es draußen gar nicht so kalt war, lag an den schattigen Hängen an der Interstate schon etwas Schnee.
Den ersten Pass passierten wir bei über 3.000 Höhenmetern (so hoch waren wir in der Sierra Nevada auch schon mal). Auf dem folgenden Abstieg machten wir Rast am Dillon Reservoir, einem künstlich angelegten See neben dem Highway. Vom Parkplatz hatte man eine tolle Sicht auf den See und die zum Teil schon schneebedeckten Berge. Nach der Rast schraubten wir uns wieder auf 3.270 m hoch um den Kamm des Gebirges zu überschreiten. Von nun an ging es beginnend mit dem Eisenhower Memorial Tunnel nur noch bergab.
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Unseren ersten richtigen Stopp machten wir wenig später in Georgetown, einer kleinen Bergarbeiterstadt, die zur Zeit des Goldrauschs in den 1850er Jahren gegründet wurde. Im historischen Viertel stehen neben einer alten Dampflok auch viele viktorianische Holzbauten und einige davon waren schon mit lustigen Strohpuppen, Kürbissen und Hexenfiguren geschmückt – das baldige Halloween lässt grüßen. Bei einem kleinen Rundgang erkundeten wir per pedes das Gebiet. Zurück am Auto zog ein Eichhörnchen unsere Aufmerksamkeit auf sich. Doch als die Kamera bereit war, war es schon weiter gesprungen, also Kamera wieder weg, und schon war der Kamerad wieder da. Sowas, aber geklappt hatte es ja doch noch mit dem Bild.
Drei Abfahrten auf dem Highway entfernt liegt Idaho Springs. Auch diese Stadt entstand zur Goldgräberzeit und hat auch noch einige Häuser im Westernstil erhalten. Hier machten wir die Stadtrundfahrt mit unserem Gefährt. An einer historischen Herberge hätten wir eigentlich zurück gemusst, aber das Navi schlug einen andern Weg vor, dem wir dann auch folgten. Doch dieser Weg stellte sich als besserer Sandweg heraus, der erst den Hang in einigen Serpentinen erklomm um wenig später an fast der gleichen Stelle den Hang wieder hinunter zu führen. Tja, wenden im Tal wäre wohl einfacher gewesen.
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Der Interstate weiter folgend stießen wir bald auf den Wegweiser nach Golden, auch einem historischen Ort aus den 1840ern. Auf der US-6 kamen wir durch den Clear Creek auch dorthin. Und am Ortseingang wies ein weiterer Wegweiser den Weg zum historischen Zentrum weiterhin geradeaus auf dem Highway (mittlerweile wieder die Interstate 70) zu verbleiben, doch am eigentlichen Abzweig stand kein Schild. So verpassten wir die Stadt und kamen so gleich ins nahegelegene Denver. Schnell fanden wir auch unsere Übernachtung – das Howard Johnsson.
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Da Sebastian keine Lust mehr hatte, brach ich nur mit Hartmut gegen 16.40 Uhr wieder auf, um das Zentrum der "One Mile High City50" im letzten Tageslicht zu erkunden. In der Lower Downtown stehen die ältesten Gebäude der Stadt – in einer Straße stand dementsprechend auch geschrieben: "the most historic block" in Denver. Im Anschluss arbeiten wir uns die 16th Street Mall zum State Capitol hoch. Diese Haupteinkaufsstraße ist als Fußgängerzone mit schmucken Bäumen und Bänken in der Mitte gestaltet. Am Capitol (einem kleinen Bruder des bekannten Washingtoner Capitols) angekommen, war es mittlerweile schon finster geworden. Nachdem wir das Molly Brown51 House (sie überlebte den Untergang der Titanic und bewohnte diese Villa) besichtigt hatten, fuhren wir mit dem Bus die 16. Straße wieder zurück. An einer Stelle wollte ich noch ein gemeinsames Foto mit Hartmut machen und baute so auch das Stativ auf. Es sollte ein ganz normales Bild werden, doch Hartmut war anderer Meinung und machte bei jedem Foto eine andere Grimasse oder Geste. Ich startete den Selbstauslöser für ein neues Bild, wieder eine neue Grimasse und so weiter. Nach 40 Bildern hab ich es dann aufgegeben. Ein Typ sprach uns sogar an, ob wir Kunststudenten seien und irgendwas Besonderes machen. Dem ist aber nicht so gewesen. Schließlich liefen wir wieder zurück zum Auto und beendeten so kurz vor 21 Uhr unsere Runde.
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49 Die Kleinstadt am Roaring Fork River ist die reichste Gemeinde der USA und eine der reichsten der Welt überhaupt: der Durchschnittspreis eines Hauses liegt über 1,5 Mio. Dollar
50 Denver liegt genau eine Meile (1.609 m) über dem Meeresspiegel; 560.000 (Region 2,83 Mio.) Einwohner leben dort
51 Molly Brown (1867-1932) war sehr reich, sie wurde eine überzeugte Frauenrechtlerin und engagierte sich sozial; 1912 überlebte sie den Untergang der Titanic ("the unsinkable Molly")