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Tag 13:  Chicago

Mittwoch, 10. Oktober 2007

Stadtbesichtigung Chicago: Near North, Loop & Downtown Core

Nachdem wir bis 9.30 Uhr etwas länger geschlafen hatten, verriet ein Blick aus dem Fenster statt dem puren Sonnenschein der letzten Tage eine grau in graue Wolkendecke. Auch mit der Temperatur ging es abwärts: viel mehr als 10°C werden draußen kaum gewesen sein. Wir hatten die ganzen Tage zuvor immer schönes Wetter, irgendwann musste es ja auch mal schlechter werden. Aber zum Glück war es ja trocken.

Unser Zimmer war ja nicht so schön und um die Sauberkeit und Ausstattung stand es auch nicht so toll. Darum nahm Sebastian die Sache in die Hand und beschwerte sich. Das freudige Ergebnis für uns: wir bekamen den Zimmerpreis für die erste Nacht zurückerstattet. Im Anschluss machten wir uns auf ins Stadtgetümmel. Schon an der Metrostation Fullerton der roten Linie konnten wir beim Warten auf den Zug bei den Umbauarbeiten der Station zuschauen. Ist schon interessant, wie hier in Amerika gearbeitet wird. Es sah igendwie nicht wirklich produktiv aus. Viel zu viele Leute machen eigentlich nicht viel. Mit der Metro kamen wir dann dort an, wo wir den Abend zuvor auch schon waren: am John Hancock Center. Für einen ermäßigten Eintritt konnte man ein zweites Mal auf die Aussichtsplattform – und bei Tag wollten wir die Stadt natürlich auch noch sehen. Leider war die Sicht nicht ganz so optimal, aber man muss es ja nehmen, wie es kommt. In südöstlicher Richtung konnte man das andere Ufer des Lake Michigan55 im US Bundesstaat Indiana sehen.

Zurück unten auf dem Boden der Tatsachen folgten wir der Michigan Avenue ("Magnificant Mile")56 wieder vorbei am 48 m hohen Water Tower und der alten Pumpstation – deren Pumpen auch heute noch die Stadt versorgen – nach Downtown. Dabei empfahl der Reiseführer auch eine Audiotour im Inter-Continental Hotel mitzumachen. Dies taten wir auch und konnten dabei verschiedenste Baustile im Inneren bewundern. Eine Etage war König Arthur gewidmet, eine andere im Renaissance Stil eingerichtet, eine weitere im ägyptischen Stil. Auch einen großen Swimmingpool gab es im elften Stock. In der Nähe des Chicago River wurden in die Mauern des Tribune Tower ("Chicago Tribune") Steinfragmente berühmter Bauwerke integriert, so auch unter anderem vom Kölner Dom, der Berliner Mauer, der Cheopspyramide, der Chinesischen Mauer, dem Taj Mahal, der Westminster Abbey und vielen weiteren. Sogar echtes Mondgestein konnte bewundert werden.

Über die Michigan Avenue Bridge kamen wir nach Downtown und folgten zuerst dem doppelstöckigen Wacker Drive am Fluss entlang. Die untere Ebene der Straße ist für den Durchgangsverkehr reserviert, die obere ist eine normale Straße mit Fußwegen. Durch den Theater District kamen wir zum James R. Thompson Center, einem runden Glasbau, dessen 17 stöckiges Atrium einen der weltweit größten umbauten Räume darstellt. Dort gab's auch erstmal eine kleine Stärkung zur Mittagszeit. Hier drinnen war es schön warm, denn draußen machte Chicago57 seinem Namen alle Ehre – "The windy City" und das reltativ heftig bei nur 12°C.

Dem Wacker Drive folgend kamen wir zum Sears Tower58, mit 442 m (mit Antenne 527 m) Höhe eines der höchsten Gebäude der Welt. Der Eintritt zur Aussichtsplattform war mit 18,50 Dollar unverschämt teuer und da wir ja vormittags schon auf dem Hancock Center waren, verzichteten wir darauf. Nun arbeiteten wir uns wieder in Richtung des Lake Michigan vor und kamen an diversen bedeutsamen Gebäuden vorbei. So auch am Loop59. In Downtown fährt die Metro nicht unterirdisch, sondern auf einem aufgebockten Stahlgestell über den Straßen. Und in einigen Abschnitten ist es schon ganz schön heruntergekommen und bedarf einer dringenden Sanierung. Die Metro donnert da ohrenbetäubend darüber.

Im Fine Arts Building wollten wir mal Fahrstuhl fahren. Ein Liftboy sollte die historischen Aufzüge steuern. Doch die beiden älteren Herren würde ich nicht unbedingt mehr als "Boys" bezeichnen. Von dort aus gings weiter vorbei am Chicago Art Insitute und durch den Millenium Park zum Ufer das Lake Michigans. Unser letztes Tagesziel war der Navy Pier. Auf 915 m Länge bietet er Unterhaltung, Kultur und ein Kindermuseum. Interessant waren die dort ausgestellten Auto- und Bootswracks, die man aus dem See gezogen hatte. Dabei war auch eine hölzerne Leichenkutsche aus den 20er Jahren dabei, mit lauter Totenköpfen als Verzierung. Die Dämmerung war nun bereits fortgeschritten und der Wind hatte sich auch weiter verstärkt, so dass es kein wirkliches Vergnügen mehr war. Darum beendeten wir auch die Runde, aßen noch einen Happen und trafen gegen 20.15 Uhr am Hostel ein.

So konnte ich meinen Bericht heute auch etwas eher verfassen. Dabei hatte ich mir leise einen Internetradiosender angemacht, wo gerade die DeepBlue Radio Show von Solar Stone lief. Schön fand ich dabei, dass einer der Typen, die mit hier in dem Raum saßen, mich bat, doch das Gastset von Aly & Fila etwas lauter zu machen. Endlich mal einer mit nem vernüftigen Musikgeschmack hier!


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55  Der Lake Michigan ist 57.800 km² groß und hat eine maximale Wassertiefe von 281 m; er ist 494 km lang und 190 km breit, seine Küstenlinie ist 2.646 km
56  Die Magnificant Mile ist der Abschnitt der Michigan Avenue nördlich des Chicago Rivers bis zum John Hancock Center, Chicagoes eleganteste Straße
57  Chicago hat 2,85 Mio. (Region 9,5 Mio.) EInwohner und ist die drittgrößte Stadt der USA
58  Sears Tower wurde 1974 eröffnet und wurde in nur drei Jahren errichtet; er wiegt 222.500 Tonnen, hat 300.000 m² Bürofläche, über 100 Aufzüge und 69.000 km Telefonkabel
59  Der Loop hat seinen namen von den Hochbahnschienen, die den Stadtkern in Schleifenform umrunden



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