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Tag 18:  Zugfahrt zu den Niagara Falls

Montag, 15. Oktober 2007

Zugfahrt von New York City zu den Niagara Fällen

Um 9.00 Uhr klingelte der Wecker. Schnell noch unsere Sachen eingepackt, einen Happen gegessen und rein in die Metro der Linie 9 zur Pennsylvania Station (wieder merkte man, dass es wochentags voller ist als am Sonntag zuvor). Während Hartmut sich nach Hause verabschiedete, geht für Sebastian und mich der Trip noch ein paar Tage weiter. 10.45 Uhr EST sollte die planmäßige Abfahrtszeit unseres "Empire Service" Zuges auf der Maple Leaf Route73 nach Niagara Falls sein. Doch zuvor mussten wir noch auf die Hauptpost gegenüber des Madison Square Gardens74 Briefmarken kaufen, damit die Daheimgebliebenen auch unsere Grüße bekommen. Mittlerweile kam auch die Sonne etwas heraus und New York verabschiedete sich so viel freundlicher, als wir die Straße querten und den Madison Square Garden betraten. Irgendwo in seinem Inneren ist ja die Penn Station, unser Abfahrtsbahnhof. 20 Minuten vor der planmäßigen Abfahrt stand unser Bahnsteig noch nicht an der Anzeigetafel, doch nach ein paar Minuten sollte sich dies ändern und wir machten uns auf zum Bahnsteig 5E. Dort hatte sich schon eine Schlange gebildet, denn man musste ja ganz korrekt sein Ticket vorzeigen um auf den Bahnsteig zu gelangen. Nachdem wir uns unsere bequemen Plätze ausgesucht hatten – und das waren sie wirklich: großzügig, mit viel Beinfreiheit und ordentlich gepolstert – konnte unsere Fahrt mit einer geringen Verspätung starten.

Immer parallel zum Hudson River fuhren wir nordwärts nach Albany. Der Hudson war stellenweise ein richtig breiter Fluss mit Sumpflandschaften an seinen Ufern. Von Albany auf fuhren wir dann westwärts via Amsterdam und Rome nach Buffalo – eine wahrliche Weltreise! Unterwegs war die Fahrt eigentlich ganz entspannt. Mal die Augen zu gemacht, mal den Aufenthalt in Toronto geplant, im Zug spazieren gegangen oder halt einfach nur aus dem Fenster geschaut. Die Landschaft änderte sich unterwegs nicht wirklich. Anfangs viel Wasser (Hudson), doch auch Wälder zogen am Fenster vorbei. Unser Lokführer schien eine Leidenschaft zu haben: Hupen! An jedem kleinen Bahnübergang musste mindestens dreimal das Signalhorn ertönen und das auch richtig lang. Es wäre vielleicht einfacher gewesen die Hupe auf Dauerbetrieb zu stellen. Unser Zug sollte laut Auskunft der Ticketverkäuferin auch ausverkauft sein, doch fanden sich noch jede Menge freie Plätze im Zug. Im Gegensatz dazu stimmte aber die Information, dass wir Baustellen auf der Strecke haben. Mehrmals musste unser Zug deswegen stoppen und so bauten wir die kleine Verspätung aus. Ab Buffalo wurde es richtig einsam im Zug. Wir waren fast die einzigen Passagiere. Rückwärts fuhren wir dann nach Niagara Falls in New York (USA) ein und durften mitten in der Pampa aussteigen. Ringsum alles verlassen... und dort bauen die einen Bahnhof hin, obwohl das Wort "Bahnhof" ja eigentlich schon übertrieben wäre. Das macht es nicht unbedingt einfacher per Bahn zu reisen (was die Amerikaner ja sowieso nicht gern tun) und dafür hatten wir pro Nase 71 Dollar hingeblättert.

Nun mussten wir ja noch zu unserer Unterkunft nach Niagara Falls in Ontario (Kanada). Das Navi sagte 5,7 km Strecke und eine gute Stunde Laufzeit voraus. Ein Bus fuhr da ja nicht. Also Zähne zusammenbeißen, das Gepäck schultern und los! Zuerst über eine für den Verkehr gesperrte Brücke und dann immer geradeaus zur Whirlpool Rapids Bridge. Der dortige Grenzbeamte meinte, dass wir hier nicht ausreisen durften und wir, wortwörtlich, zwei Blocks flussaufwärts zur Rainbow Bridge gehen sollten. Von der Karte her hatte ich das irgendwie weiter in Erinnerung. Und so zeigte es sich dann auch in der Realität, aus zwei Blocks können mal ganz schnell zwei Kilometer werden. Und der Rucksack wurde natürlich nicht leichter dabei. Von unterwegs hatten wir dann endlich unser Ziel vor Augen. Das kanadische Niagrara Falls war hell erleuchtet, wie ein klein Las Vegas. Mit all den Neonreklamen, Casinos, Aussichtstürmen – ganz im Gegensatz zur amerikanischen Seite, denn hier lag der Hund begraben.

Diese USA verließen wir dann auch ganz unkompliziert. Den Schildern "To Canada" folgend fanden wir uns ohne Passkontrolle auf der Rainbow Bridge wieder und verließen Punkt 22.20 Uhr die Vereinigten Staaten. Von der Brücke aus konnte man schon das Rauschen der Niagarafälle hören und auch sehen, denn nachts wurden sie angestrahlt. Sehr freundlich empfing uns die kanadische Grenzbeamtin. Ganz unkompliziert im Vergleich zur Einreise in die USA hatten wir fix unser Stempelchen im Pass und stiefelten den letzten Kilometer den Clifton Hill nach oben, vorbei an Geisterbahnen, Riesenrad, Fast-Food-Ketten und dem ganzen Neonlichtern. Fast alles hatte um diese Zeit noch geöffnet, obwohl nur wenig Leute unterwegs waren.

Nachdem wir im Red Carpet Inn & Suites unsere Sachen abgestellt hatten und mal fünf Minuten nach gut 6,5 km Fußmarsch verschnauft hatten, machten wir uns wieder auf den Weg hinunter ins Zentrum. Das Abendessen lag ja noch an. Doch vergleichsweise teuer war es, so dass gleich ein Teil vom gerade frisch geholten Geld wieder weg war. Aber optisch ansprechend sind die kanadischen Dollarscheine schon im Vergleich zum eher angestaubten amerikanischen Dollar. Nach der Stärkung gings dann runter zum Niagara River. Die Beleuchtung der Fälle war mittlerweile leider schon abgeschaltet worden und so wirkten die Fälle gar nicht mehr so gewaltig; weder die American noch die kanadischen Horseshoe Falls. Von letzteren stiegen Wasserdampfwolken auf, die sich über der Straße auch gleich wieder abnieselten. Nun noch schnell was zu trinken kaufen und dann ab zurück zum Motel, wo wir ca. ab 1 Uhr die Matratzen testeten.


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73  Eisenbahnstrecke von new York über Albany und Buffalo nach Toronto
74  Über der (neuen) Pennsylvania Station erstreckt sich der Madison Square Garden mit 20.000 Plätzen als Spielstätte für Basketball, Hockey, Tennis, Boxen, Zirkus oder Konzerte



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