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Welches Wetter ist morgen?

Vorwort

... diese Frage soll hier nicht direkt beantwortet werden. Vielmehr sollen einige Hinweise gegeben werden, das Wetter selbst vorhersagen zu können. Die folgenden Texte stammen aus dem Heftchen "Welches Wetter ist morgen?" von Hans Eder-Lohen erschienen im Verlag E. Nister in Nürnberg um 1920.

Das Büchlein von außen

Welches Wetter ist morgen? So frägt sich der Landwirt, wenn er Arbeiten im Freien zu verrichten hat, so frägt sich aber auch jeder von euch, der am nächsten Tag einen Ausflug machen will. Die Sache ist aber nicht ganz so einfach, wie man sich gewöhnlich vorstellt. Der vom Rheumatismus geplagte Großvater sagt freilich, morgen ist Regenwetter, denn ich merke es an meinen Gliedern. Oft trifft es zu, denn die feuchter werdende Luft behagt den an Rheumatismus Leidenden gewöhnlich nicht. Am ehesten kann man erfahrenen Seeleuten trauen, wenn sie das Wetter für den nächsten Tag voraussagen, denn sie haben eine feine Beobachtungsgabe für Natureinflüsse, die sie sich von selbst aneignen. Am allerwenigsten taugen die folgenden Bauernregeln mit einer einzigen Ausnahme, welche immer genau stimmt:

Wenn der Hahn kräht auf dem Mist,
So ändert sich's Wetter
Oder es bleibt wie es ist.

Diese Regel kann uns aber auch wenig nützen, weshalb wir uns selbst zu Wetterpropheten ausbilden wollen. Ohne einige Hilfsmittel werden wir dies wohl nicht erreichen, denn wenn wir das Wetter für den nächsten Tag voraussagen wollen, so müssen wir uns ein genaues Bild des jeweiligen Luftzustandes machen können, wir benötigen dazu mehrere wetterkundliche Instrumente, an welchen zu jeder Zeit die Luft selbst deutlich anzeigt, wie es sich mit ihren Wassergehalte, mit ihrem Drucke, mit ihrer Temperatur und ihrem Bewegungszustande verhält. Wir teilen diese Instrumente ein in Wärmemesser (Thermometer), Luftdruckmesser (Barometer), Feuchtigkeitsmesser (Hygrometer) und Windmesser (Anemometer). Durch Vergleich der angeführten Instrumente und genaue dauernde Beobachtung können wir es zu einem ziemlich guten Resultat bringen. Es ist ganz falsch, wenn wir etwa durch Steigen oder Fallen eines Barometers allein auf die Veränderung des Wetters schließen. In den meteorologischen Stationen hat man sehr feine Instrumente (hauptsächlich von W. Lambrecht in Göttingen) zur Verfügung, für unsere Zwecke genügen aber weniger feine Instrumente, welche wir uns zum Teil selbst bauen können.



Beobachtungsregeln

Taupunkt-Regeln

1. Je höher der Taupunkt der eben herrschenden Temperatur, desto wahrscheinlicher sind Niederschläge zu erwarten.

2. Ist der Abendtaupunkt im Sommer (6 Uhr abends) höchstens 4° niedriger als die 8 Uhr-Morgentemperattur, so sind Niederschläge bevorstehend.

3. Ist der Abendtaupunkt aber um 5-8° tiefer, so ist gutes Wetter in Aussicht.

4. Ist der Unterschied zwischen Abendtaupunkt und Morgentemperatur 6° und war der Unterschied zwischen der gerade herrschenden Tagestemperatur schon 1-2 Stunden eben so groß, so ist selbst bei ungünstigen Verhältnissen gutes Wetter in Aussicht.

5. Ist der Taupunkt am Abend 0°, so ist Nachtfrost bevorstehend.



Allgemeine Wetterregeln

Vorbemerkungen. Die zur Wettervoraussage für den nächsten Tag dienende Hauptbeobachtung wird von April bis Ende August um 6 Uhr abends, in der übrigen Zeit aber eine Stunde vor Sonnenuntergang gemacht, mithin im März und September um 5 Uhr, im Februar und Oktober um 4 Uhr und im November, Dezember und Januar um 3 Uhr. Die Messung der Luftfeuchtigkeit soll nicht in unmittelbarer Nähe großer Flüsse, Seen, Teiche und Sümpfe und dichter Wälder vorgenommen werden.

Eine ausführliche Beschreibung der Messgeräte mit Skizzen

Wenn vor oder während der Beobachtung Niederschläge fallen, oder wenn Nebel herrscht, und ganz besonders wenn diese schon mehrere Tage dauern, so muß wegen der zu großen Bodenfeuchtigkeit von den gefundenen Prozenten der relativen Feuchtigkeit je nach der mehr oder weniger starken Nässe des Bodens vor der Feststellung des Taupunktes ein Abzug von 5-15% gemacht werden, weil sonst immer wieder Niederschläge vorausgesagt würden. Im Winter sollen wir überhaupt 5% in Abzug bringen, wenn nicht der Erdboden ganz hart gefroren ist.

Bei der Vorausbestimmung des Wetters müssen wir auch den Zug der Wolken beobachten. Es kann vorkommen, dass unten westliche Winde wehen, während die Wolken nach Westen ziehen. In diesem Falle müssen wir die Prognose nach den östlichen Winden machen.

Bei anhaltendem Sturm ist hauptsächlich das Barometer zu Rate zu ziehen. Die Prognose wird erst dann wieder zuverlässig, wenn es dauernd zu steigen beginnt.

Bruchteile eines Temperaturgrades sind auf die nächste ganze Zahl abzurunden, also unter 0,5 auf die niedrigere und über 0,5 auf die nächst höhere ganze Zahl (z. B. 5,4° auf 5° und 5,6° auf 6°). Ist aber der Fall zweifelhaft, also etwa bei 3,5° oder 4,5°, so muß man die Prognose auf gemischtes Wetter von 3° und 4° oder von 4° und 5° abgeben.



Wetterregeln

A. Taupunkt niedriger als die 8-Uhr-Morgentemperatur

a) Bis zu 2,5°C:
1. bei östlichen Winden*): wolkiges bis halbheiteres Wetter, im Winterhalbjahr meist mit starkem – und wenn Temperatur über 0° nässendem Nebel. Niederschlag nur bei niedrigem oder sehr schwankendem Barometerstand.
2. bei westlichen Winden**): Niederschläge (Regen oder Schnee), Himmel vorwiegend bewölkt. Je geringer Differenz zwischen Taupunkt und Mitteltemperatur, desto reichlicher Niederschläge.

b) 2,5°-4°C:
1. bei östlichen Winden: halbheiteres bis heiteres Wetter. Im Winter oft Nebel oder Dunst. Schwache Niederschläge nur bei schnell wechselndem oder niedrigem Barometerstand.
2. bei westlichen Winden: halbheiter bis wolkig, Neigung zu schwachen Niederschlägen bei niedrigem Barometerstand.

c) 5°C:
1. östliche Winde: vorwiegend heiteres Wetter ohne Niederschlag.
2. westliche Winde: halbheiteres bis heiteres Wetter ohne Niederschlag.

d) 6°C:
1. bei östlichen Winden: heiteres Wetter.
2. bei westlichen Winden: heiteres Wetter.

e) 7°-8°C:
1. bei östlichen Winden: heiteres Wetter.
2. bei westlichen Winden: halbheiteres bis fast heiteres Wetter mit mäßigem Wind und ohne Niederschlag.

f) 9°-10°C:
1. bei östlichen Winden: heiteres bis halbheiteres Wetter. Bei stark fallendem Barometer geringe Niederschläge.
2. bei westlichen Winden: windig, halbheiter, bei stark fallendem Barometerstand Neigung zu kurzen Niederschägen.

g) 12°C und mehr:
1. bei östlichen Winden: windig, halbheiter, bei stark fallendem Barometer kurze Niederschläge.
2. bei westlichen Winden: unbeständig, stürmisch, halbheiter, mit kurzen aber starken Niederschlägen.

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*) Östliche Winde von NO über O bis nahezu S
**) Westliche Winde S über W bis N einschließlich


Die einzelnen Wetterelemente wie hier die Windrichtung werden auch erklärt

B. Taupunkt erreicht die Mitteltemperatur von 8 Uhr morgens oder übersteigt sie, oder übersteigt überhaupt +16,5°

1. bei östlichen Winden: heiteres bis halbheiteres Wetter, im Winter mit Nebel und zeitweiser Bedeckung.
2. bei westlichen Winden: Gewitter. Bei kühler Witterung keine Gewitter, meist nur gewöhnliche Niederschläge mit erhöhter Temperatur. Wenn der Taupunkt durch längere Zeit anhaltend nahezu oder gerade um 6° niedriger steht als die momentan abgelesene Temperatur, so kommt kein Gewitter, sondern meist heiteres Wetter mit hoher Temperatur.


C. Taupunkt unter 0°

1. bei östlichen Winden: Frost.
2. bei westlichen Winden: Frost.


D. Taupunkt höher als am Vortage

1. bei östlichen Winden: wärmeres Wetter.
2. bei westlichen Winden: wärmeres Wetter.


E. Taupunkt niedriger als am Vortage

1. bei östlichen Winden: kälteres Wetter.
2. bei westlichen Winden: kälteres Wetter.


F. Der Taupunkt entfernt sich von der 8 Uhr-Morgentemperatur oder von der Lufttemperatur zur Zeit der Beobachtung um mehr als 8°

1. bei östlichen Winden: mäßiger, bei Differenzen über 12° steifen Wind.
2. bei westlichen Winden: starker Wind, bei Differenzen über 12° bis zum Sturm anwachsend. Fällt das Barometer, so steigt der Wind, steigt ersteres, so vermindert sich der Wind.


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